Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Das Inkandeszenzprinzip vor Auer.

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lösung tränkte und nach dem Verbrennen mit dem Aschenskelett in schwachen Spiritusflammen ein kräftiges, weißes Licht erzeugen konnte.

Schon in die Zwanzigerjahre des 19. Jahrhunderts fällt die Erfindung jener Konstruktion, die die erste erfolgreiche Art von Inkandeszenzbeleuchtung darstellt. Sie hat als Leuchtkörper einen Kalkzylinder, der durch eine Knallgasflamme auf Weißglut erhitzt wird. Diese Beleuchtungsart stammt von Sib Goldsworthy Guerney und wurde Oxyhydrogenlicht genannt. Sie wurde in den Jahren 1826 und 1827 von dem Kapitän des englischen Ingenieurkorps Thomas Drummond zu Signal- und Vermessungszwecken verwendet und ist seitdem unter dem Namen ÖRUMMONDsches Kalklicht bekannt geworden. In den Vereinigten Staaten wurde das Kalklicht für Leuchttürme und Signale, auch als Beleuchtungsmittel bei großen Bauten, sowie bei der Belagerung einiger Forts im amerikanischen Sezessionskrieg verwendet. Auch zur Bühnenbeleuchtung und für Projektionszwecke fand es An­wendung. Seine Verbreitung war durch die Errichtung von Sauerstoffabriken, vor allem in England begünstigt worden. Freilich hatte das Kalklicht verschiedene Mängel; außer der Notwendigkeit einer ständigen Beaufsichtigung und Regulierung vor allem den, daß die aus gebranntem Kalk bestehenden Glühkörper sehr empfind­lich gegen feuchte Luft waren und bei nasser Witterung in kurzer Zeit zu Pulver zerfielen. Sie mußten daher luftdicht aufbewahrt werden.

Mit dem DRUMMONDschen Kalklicht war das erste verwendbare Glühlicht ge­schaffen worden. Die weitere Entwicklung der Inkandeszenzbeleuchtung zeigt einerseits ein Variieren des zur Beheizung des Glühkörpers nötigen Gases wobei man bald Wasserstoff, bald Leuchtgas, bald Wassergas verwendete und die Ver­brennung sowohl mit Luft als auch mit Sauerstoff durchführte, anderseits aber ein ständiges Suchen nach besseren Glühkörpern. Hierbei griff man teils Wie l*im Kalklicht zu feuerfesten Oxyden, teils zu dem glühbeständigen Metall Blatin, ja auch zu Kombinationen dieser beiden Materialien, indem man Platindrähte mit Erden zu überziehen suchte.

Durch Untersuchungen Sir Humphry Davys angeregt, nahm Alexander Eruckshanks im Jahre 1839 ein englisches Patent auf Glühkörper aus Quarz °Jer Platin. Er verwendete hauptsächlich Platinnetze, die mit Kalk oder anderen Brden überzogen wurden. An seiner Patentschrift ist zweierlei interessant: die Erkenntnis, daß bei gleicher Temperatur Erden eine weitaus stärkere Strahlung a ussenden als Platin, ferner die Tatsache, daß Cruckshanks seinem Platinnetz­mantel bereits eine der Flamme angepaßte Form gab. Der Hauptgedanke seiner Erfindung indessen, einen Metalldraht mit Erden zu überziehen, war nicht erfolg- re ich- Infolge der verschiedenen Ausdehnung sprangen die Überzüge ab.

Dagegen fand eine Beleuchtungsart, bei der Platin allein als Glühkörper ver­endet wurde, in den nächsten Jahren mehrfache Anwendung. Der Franzose Gillard richtete 1846 zu Passy bei Paris eine Beleuchtungsanlage ein, deren Glüh- or I>er aus korbförmigen Platinnetzen bestanden, die an Argandbrennern an­gebracht waren. Das Gas wurde anfangs durch einen über glühendes Eisen ge- 1 Wasserdampfstrom erzeugt, später durch einen richtigen Wassergasprozeß. a ß das Licht dieses auch in Paris verwendeten ,,gaz platine als zu grell ver- ,Sc hrien war, lassen Karikaturen aus jener Zeit erkennen, die Fußgänger, Pferde und