Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Fünfter Abschnitt.

Hunde mit Schutzschirmen zeigen. In den Jahren 1856 bis 1865 war in der Stadt Narbonne im Departement Aude eine Platingasanlage in Tätigkeit, die ebenfalls mit Wassergas gespeist wurde. Auch die Philadelphia Gras Works verwendeten 1851 kurze Zeit diese Beleuchtungsart.

Die in Narbonne benützten Glühkörper bestanden aus einem Netz von sehr feinem Platindraht und hielten nicht länger als ein Jahr. Nach dieser Zeit wurden sie brüchig, was vielleicht auf den Angriff der im Straßenstaub enthaltenen Kiesel­säure, nach anderer Ansicht auf die Einwirkung des im Wassergas vorkommenden, flüchtigen Eisencarbonyls zurückzuführen ist.

Auch für die Öllampe suchte man das Inkandeszenzprinzip nutzbar zu machen. Die von Carl v. Frankenstein 1846 gebauten Beleuchtungsgeräte, die mit Öl gespeistSolarlampen, mit SpiritusbetriebLunarlampen hießen, hatten Argand- brenner, in deren Flamme sich ein kegelförmiger Leuchtkörper befand. Er bestand aus einem Gewebe, das mit einer Erdmischung überzogen war und nach dem Ab­brennen ein als Glühkörper dienendes Aschenskelett hinterließ. Während die mit der nichtleuchtenden Spiritusflamme beheizte Lunarlampe als eine echte Inkan- deszenzlampe zu betrachten ist, konnte der Glühkörper in der Solarlampe wohl nur zur Verstärkung der Lichtintensität der ohnehin schon leuchtenden Ölflamme dienen. Auch der Betrieb dieser Lampen mit Gas wurde versucht.

Die Tatsache, daß Frankenstein Glühkörper verwendete, die als Träger der Leuchtsubstanz ein veraschtes Gewebe besaßen, wurde später in Deutschland gegen die AuERsche Erfindung ausgespielt. Aus diesem Grund muß hier der FRANKENSTEiNsche Leuchtkörper etwas genauer betrachtet werden.

In einer 1847 veröffentlichten Broschüre 1 wird gesagt, daß derLeucht­brenner auseinem kegelförmig, hohlen Körper besteht, deraus irgendeinem lockeren Gewebe, z. B. sogenanntem Spitzengrund, verfertigt und mit einer Masse aus Kalkerde und Magnesia überzogen ist.Diese erdigen Substanzen, heißt es dort weiter,sind durch arabisches Gummi mit dem Zeug verbunden. Nach den Angaben eines anderen Aufsatzes 2 bereitet man einen dünnen Breiaus gleichen Teilen fein zerriebener Kreide und gebrannter Magnesia (Magnesia usta) mit Wasser und knetet das Zeug in diesem Brei solange herum, bis es überall gleichmäßig durch­netzt ist. Aus diesen Angaben geht hervor, daß Frankensteins Imprägnierflüssig­keit die Leuchtsubstanz fein gepulvert als Suspension fester Teilchen enthielt, während eine feinste Verteilung auf der Faser einzig durch die Verwendung einer Lösung erreicht werden kann. (Vgl. Abb. 11.) Diesen wesentlichen und grundlegenden Unterschied zwischen den Imprägnierungsmethoden Frankensteins und AxrERs hat das kaiserliche Patentamt in Berlin später nicht berücksichtigt.

Daß sich bei dieser groben Imprägnierungsart kein Aschenskelett von einiger* maßen befriedigender Haltbarkeit bildete, ist verständlich. Darum mußten auch

1Notizen über von Frankensteins Lunar- und Solarlieht, nebst Kritik der Mäugd unseres gegenwärtigen Beleuehtungswesens, Graz 1847, bei T. A. Kienreicii. Zit- nach v. Perger:Frankensteins Lunar- und Solarlieht und Auers Gasglühlicht . Wien 1896, S. 5/6.

2 Polytechnisches Wochenblatt, 1848, Nr. 2, abgedruckt in Dinglers Polyteclm- Journal, 1848, 110. Bd., S. 396.