Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Der Thor-Cer-Glühkörper.

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ein leichtes Spiel. Ich nahm eine reine Thorlösung, mischte percentisch Cerlösung zu, und siehe da, dieses überaus glänzende Licht . . . war gewonnen.

Die Versuchsreihen zur Ermittlung der günstigsten Zusammensetzung ergaben, daß die größte Lichtstärke ein Glühkörper aus 99% Thoroxyd mit 1% Ceroxyd habe. Dieses Mengenverhältnis ist seither beibehalten worden. Der neue Leucht­körper leistete bei 120 1 stündlichem Gasverbrauch 00 bis 70 Hefnerkerzen. Außer­dem aber war er haltbarer als die früheren.

Der Thor-Cer-Glühkörper brachte dem Gasglühlicht den vollen Erfolg. Nach­dem Auer im August 1891 die Patente angemeldet hatte, begann er mit der Fabrikation. Die Fabrik in Atzgersdorf, täglich mit Depeschen bestürmt, konnte die Fluiderzeugung nicht mehr bewältigen. Es war ein Glück, daß im Erühjahr 1892 der getreue Haitinger seine wissenschaftlichen Arbeiten an der Universität im Stiche ließ und wieder als Direktor nach Atzgersdorf ging. Er war es, der die fabrikmäßige Aufarbeitung des Rohstoffes nach der von Auer angegebenen Me­thode organisierte.

Es ist hier nötig, über den Rohstoff und seine Beschaffung zu sprechen, zumal es ja von vornherein kühn erscheinen mußte, seltene Elemente zur Rohstoffgrund­lage einer neuen Industrie zu machen, selbst dann, wenn das Einzelerzeugnis, der Glühkörper, eine nur recht geringe Substanzmenge benötigte.

Als Material zu seinen ersten wissenschaftlichen Arbeiten hatte sich Auer von Freunden seines Vaters eine größere Menge von Cerit und Gadolinit aus Schweden zu verschaffen gewußt. Aus Bastnäs in Schweden wurde auch das Material bezogen, als dann die Fabrikation des ersten Glühkörpers in Gang gekommen war. Es wurden im ganzen gegen 8 Tonnen Cerit verarbeitet. Dann wurde man durch einen New Yorker Mineralienhändler, Gordon, der ein Bekannter von Auers Kompagnon Williams war, auf einen bei der Gold Wäscherei in Carolina abfallenden, schweren Sand aufmerksam gemacht, der ebenfalls seltene Erden enthielt. Es wurde 1 Tonne von solchemCarolina-Sand gekauft und auf Lanthan verarbeitet. Haitinger schied damals auch das Thorium 1 daraus ab und verwahrte es; dieses Material kam dann Auer bei den Versuchen zu seinem zweiten Glühkörper sehr zustatten.

Gordon hatte einen Bruder, der in Santos den Kaffeehandel betrieb. Von diesem erhielt er eines Tages eine Probe eines gelben, schweren Sandes, der sich an der brasilianischen Küste vorfand. Dies war der sogenannte Monazitsand, der üun das Ausgangsmaterial der Glühkörperindustrie wurde. Er stammte aus monazithaltigen Gneisen und wurde durch die Flüsse aus dem Innern des Landes a ns Meer geschwemmt, wo er sich dann infolge der Sonderungswirkung des Wellen­schlags und seines hohen Gewichts als Streifen am Strande ablagerte. Wegen seines Gewichts w r urde er übrigens von den Küstenbewohnern als Schiffsballast benützt. Als der Monazitsand sich als Rohstoff bew'ährt hatte, ließ Gordon eine größere Menge bereitstellen. Da erschienen Bewaffnete, vertrieben Gordons Leute und bemächtigten sich des Vorrats. Sie verluden den Sand auf drei Segler, deren einer, wohl infolge der beweglichen Ladung, in den Stürmen des Karaibischen Meeres

Als oxalsaures Salz.