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Siebenter Abschnitt.
sank, während die beiden anderen Europa erreichten. Die eine Schiffsladung kaufte die deutsche Konkurrenz, die zweite wurde der Gesellschaft, die nun erst von dieser Vorgeschichte erfuhr, von Hamburg aus angeboten. Sie wurde schleunigst gekauft. Später mußte sich Gordon beim brasilianischen Staate Bahia um eine Konzession auf die Monazitsandgewinnung bewerben, wobei sich zuletzt noch die brasilianische Bundesregierung einmischte, mit dem Hinweis darauf, daß ein Küstenstreifen bestimmter Breite ihr unterstehe. Alles dies erfoiderte äußerst langwierige Verhandlungen und einen beträchtlichen Kostenaufwand. 1 Heute wird der Monazit aus Indien bezogen. —
Der Hauptvorteil, der dem neuen Gasglühlicht nun so schnelle Verbreitung verschaffte, war wohl die bedeutende Lichtstärke des Thor-Cer-Glühkörpers. Beim Ersatz eines lbkerzigen Schnittbrenners durch einen Auerbrenner erhielt man die dreifache Lichtmenge bei 30% Gasersparnis. Erschien für die Praxis diese Lichtmenge in vielen Fällen unnötig groß, so ersetzte man gewöhnlich je zwei Schnittbrenner durch einen Auerbrenner und hatte bei noch immer erhöhter Lichtausbeute mit nur einem Drittel des früheren Gasverbrauchs zu rechnen.
Ein anderer Vorteil des Auerlichts ist seine gegenüber der offenen Gasflamme geringere Wärmeentwicklung. Der unsinnigen Behauptung, das Gasglühlicht verbrauche mehr Sauerstoff als die offenbrennende Gasflamme, es erzeuge mehr Wärme und mehr Verbrennungsprodukte und verschlechtere daher stärker die Luft, ist schon Auer selber anläßlich eines Vortrags 2 über sein Lanthan-Zirkon-Glühlicht entgegengetreten, indem er daran erinnerte, daß ja eine gegebene Menge eines Gases bestimmter Zusammensetzung bzw. bestimmten Heizwertes bei vollständiger Verbrennung eine genau feststehende und berechenbare Sauerstoffmenge verbrauche und hierbei ebenso bestimmte Mengen von Kohlensäure, Wasserdampf und Wärme freigebe, gleichgültig, ob die Verbrennung rascher oder langsamer erfolge und in was immer für einem Gerät. 1st auch die Flamme des Bunsenbrenners heißer, d. h. die Verbrennung intensiver, so ist doch die entwickelte Gesamtwärme — gleiche Mengenverhältnisse vorausgesetzt — dieselbe. Dies verlangt das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Da aber das Auerlicht, bezogen auf die erzeugte Lichtmenge, viel weniger Gas erfordert, so ist schon aus diesem Grund auch die Wärmeabgabe bedeutend geringer als bei der offenen Flamme.; Dazu aber kommt noch, wie W. v. Oechelhäuser 3 zeigte, ein zweiter, die Wärmeentwicklung noch weiter vermindernder Umstand: während in den alten Gasflammen bis zu 99% der vorhandenen Energie als Wärme für die Lichtentwicklung verlorengingen, sei anzunehmen, daß beim Auerlicht infolge des höheren Lichteffekts eine größere Energiemenge in Licht umgesetzt werde, die dann nicht als Wärme in Erscheinung treten könne. „Der Leuchtkäfer mit seinem grünlich hellen Licht ist in diesem Sinne gewissermaßen das Ideal jeder Beleuchtung, denn er stellt nach Langley
1 Mündliche Mitteilungen des Herrn Direktors Ludwig Haitinger.
2 Carl Auer von Welsbacii: „Über das Gasglühlicht“, Vortrag, gehalten im Xiederösterr. Gewerbeverein am 9. April 1886 (Wochensehr. d. Niederösterr. Gew.-V., 47. Jahrg., 1886, S. 493).
8 W. v. Oechelhäuser, Das Gasglülilicht. Auszug aus dein Vortrage über die Steinkohlengasanstalten als Licht-, Wärme- und Kraftcentralen, gehalten in der Sitzung des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes zu Berlin am 7. November 1892, S. 2.