Der Thor-Cer-Glühkörper.
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das billigste Licht ohne Wärme in der Natur dar, und zwar mit etwa einem vierhundertsten Theil der Kosten an Energie, die in der Kerzenflamme verbraucht wird. Wenn daher die ganz weiße oder etwas grünliche Farbe des Auerlichtes Manchem auch nicht gefällt, so erinnert sie uns doch ... an den richtigen Weg, auf dem wir uns zum Licht des J ohanniskäf ers befinden :demLichtohneWärme.“ x
Die Farbe des Auerlichtes war es vielfach, die den Gegnern dieser Beleuchtung als Ziel ihrer Angriffe diente, die freilich oft mit mehr Temperament als Überzeugungskraft geführt wurden. 1 2 Denn wäre die Farbe des Lichts wirklich als ein so schwerer Übelstand empfunden worden, so hatte man nicht gezögert, sie, wenn schon nicht durch Zusätze zur Leuchtmasse, 3 so doch durch die Verwendung leicht gefärbter Glaszylinder zu korrigieren.
Ein weiterer Vorwurf, den man dem Gasglühlicht machte, war die geringe Haltbarkeit der Leuchtkörper. Als in der Wiener Hofburg Auerbrenner angebracht wurden, sprach auf eine Frage des Kaisers ein alter General die Befürchtung aus, daß diese neuartigen Beleuchtungskörper den ersten Einmarsch der Burgmusik wohl nicht aushalten würden. Blieb auch die leichte Zerbrechlichkeit der Leuchtmäntel eine Schwäche des Gasglühlichts, so muß man doch sagen, daß eine größere Stabilität als die erreichte von einem Aschenskelett auch kaum zu verlangen gewesen wäre. Wurden größere Erschütterungen vermieden, so hatten die Glühstrümpfe eine lange Brenndauer. Oechelhäuser 4 * berichtet, daß die sechs Mäntel seiner Versuchsreihe nach 2400 Stunden Brennzeit noch funktionierten. Hält man sich vor Augen, daß auch die damaligen Kohlenfadenlampen noch recht gebrechliche Gebilde waren und insbesondere sehr leicht durchbrannten, so wird es erklärlich, daß in Oechelhätjsers vergleichenden Versuchen zwischen elektrischer Beleuchtung und Gasglühlicht dieses bedeutend besser abschnittA Das Entscheidende jedoch im Konkurrenzkampf dieser beiden Beleuchtungsarten waren die Kosten. Oechelhäuser kommt zu dem Ergebnis, daß „in Berlin das elektrische Glühlicht z. Zt.“ (nämlich 1892) „ungefähr 4mal so theuer als Auerlicht ist“, 6 während der Wiener Generalgasdirektor Fähndrich, der im gleichen Jahre in Kiel über das Gasglühlicht sprach, dessen Kosten sogar mit weniger als ein Sechstel der des elektrischen Lichts annimmt. 7
1 Ebenda.
2 Vgl. z. B. die Schmähschrift des Berliner Elektroingenieurs F. II. Aschnek, Glühlicht mittels Q as erzeugt, (Leipzig, Oskar Leiner, 1893), die mit den Worten schließt: „Die Welt wird nicht in das Zeitalter der Gasglühlichtbeleuchtung eintreten, trotz aller Vorträge und Reklamen, die für diese Beleuchtung gemacht werden. Auch äiese Mode wird vorübergehen.“
3 In seiner Patentanmeldung vom 22. Jänner 1886 gibt Auer Leuchtmassen für verschiedenfarbiges Licht an. Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper war übrigens sowohl "ciQ- als auch gelbleuchtend hergestellt worden. Die beiden Marken waren durch verschiedene Verpackung gekennzeichnet.
4 Der früher zitierte Vortrag, S. 4.
8 Ebenda.
* Ebenda, S. 6.
7 Vortrag, gehalten auf der 32. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern in Kiel am 28. Juni 1892 (nach G. Hartwig, Das Gas- Rlühlicht, Dresden 1894, bei Hellmuth Henkler, S. 49).