Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen

42

Siebenter Abschnitt.

nächst keinen rechten Erfolg. Eine bedeutende Materialverbesserung hingegen war die Einführung der Leuchtkörper aus Ramiefaser 1 durch Buhlmann im Jahre 1898. Die Glühstrümpfe aus dieser Faser zeigten gegenüber denen aus Baumwoll- häkelgarn eine kräftigere Leuchtwirkung und, da sie zudem die der Flamme an­gepaßte Form länger beibehielten, auch eine beständigere Licht­emission. Außerdem hat der Ramieglühkörper eine bessere mechanische Haltbarkeit. Diesen Vorteilen der Ramiefaser ist es zuzuschreiben, daß sie bald das wichtigste Glühkörpermaterial wurde. In den letzten Vorkriegs­jahren hatte die Ramie als Glüh­strumpffaser die Baumwolle etwa zu vier Fünfteln verdrängt. Um dieselbe Zeit aber begannen auch Leuchtkörper aus Kunstseide, insbesondere für Preßgasglühlicht eine Rolle zu spielen.

Schon vor Auer hatte man versucht, neben dem Leuchtgas auch andere Brennstoffe zum Betrieb von Inkandeszenzleuchten heranzuziehen. So brannte von Frankenstein in seinenSolar­lampen Öl, in seinenLunar­lampen Spiritus. 2 Nach Auers Erfindung gelang es dann, flüssige sowie auch andersartige gasför­mige Brennstoffe im Auerbrenner zu verwenden. Da es nicht mehr nötig war, aus besonderen Gas­kohlen ein Gas von starker Leuchtkraft zu destillieren, ge­wannen reine Heizgase, wie das Wassergas, z. B. auch als Beimischung zum Destillationsgas der Gaswerke, beson­dere Wichtigkeit. 3 Das Ölgasglühlicht wurde vor allem für die Waggonbeleuchtung

Abb. 16. Ein Glühstrumpf für 1000 Kerzen und ein Strumpf für Sparbeleuchtung geben ein Bild von dem späteren Ausbau der Auerschen Erfindung.

1 Die Ramiefaser stammt von einer strauchartigen Pflanze Ostasiens, die zu den Urticaceen (Nesseln) gehört. Für Textilzwecke werden zwei Arten, Boehmeria nivea (Chinagras) und Boehmeria tenacissima (Ramie) verwendet. In Europa wurde dieses Material zum ersten Male 1850 von Marshall in Leeds versponnen.

* Siehe S. 24.

3 Die Verwendung des Wassergases hat insbesondere der österreichische Gastechniker Prof. Dr. Hugo Straciie angeregt.