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Siebenter Abschnitt.
nächst keinen rechten Erfolg. Eine bedeutende Materialverbesserung hingegen war die Einführung der Leuchtkörper aus Ramiefaser 1 durch Buhlmann im Jahre 1898. Die Glühstrümpfe aus dieser Faser zeigten gegenüber denen aus Baumwoll- häkelgarn eine kräftigere Leuchtwirkung und, da sie zudem die der Flamme angepaßte Form länger beibehielten, auch eine beständigere Lichtemission. Außerdem hat der Ramieglühkörper eine bessere mechanische Haltbarkeit. Diesen Vorteilen der Ramiefaser ist es zuzuschreiben, daß sie bald das wichtigste Glühkörpermaterial wurde. In den letzten Vorkriegsjahren hatte die Ramie als Glühstrumpffaser die Baumwolle etwa zu vier Fünfteln verdrängt. Um dieselbe Zeit aber begannen auch Leuchtkörper aus Kunstseide, insbesondere für Preßgasglühlicht eine Rolle zu spielen.
Schon vor Auer hatte man versucht, neben dem Leuchtgas auch andere Brennstoffe zum Betrieb von Inkandeszenzleuchten heranzuziehen. So brannte von Frankenstein in seinen „Solarlampen“ Öl, in seinen „Lunarlampen“ Spiritus. 2 Nach Auers Erfindung gelang es dann, flüssige sowie auch andersartige gasförmige Brennstoffe im Auerbrenner zu verwenden. Da es nicht mehr nötig war, aus besonderen Gaskohlen ein Gas von starker Leuchtkraft zu destillieren, gewannen reine Heizgase, wie das Wassergas, z. B. auch als Beimischung zum Destillationsgas der Gaswerke, besondere Wichtigkeit. 3 Das Ölgasglühlicht wurde vor allem für die Waggonbeleuchtung
Abb. 16. Ein Glühstrumpf für 1000 Kerzen und ein Strumpf für Sparbeleuchtung geben ein Bild von dem späteren Ausbau der Auerschen Erfindung.
1 Die Ramiefaser stammt von einer strauchartigen Pflanze Ostasiens, die zu den Urticaceen (Nesseln) gehört. Für Textilzwecke werden zwei Arten, Boehmeria nivea (Chinagras) und Boehmeria tenacissima (Ramie) verwendet. In Europa wurde dieses Material zum ersten Male 1850 von Marshall in Leeds versponnen.
* Siehe S. 24.
3 Die Verwendung des Wassergases hat insbesondere der österreichische Gastechniker Prof. Dr. Hugo Straciie angeregt.