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1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod.

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wieder aufschob, nicht nur aus Rücksicht auf seine Arbeit, sondern auch weil er fühlte, daß er zu Hause zur Erziehung seiner Kinder nötiger sei. Später, als die Kinder groß waren, fühlte er sich nicht mehr jung genug für diese Pläne. Der Zauber des Automobilfahrens bot ihm einigen Ersatz für den Verzicht auf jene romantischen Seefahrten.

Auer von Welsbach hat, ähnlich seinem Vater, erst als er auf der Höhe seiner Erfolge stand, geheiratet. Er tat auch dies ganz in seiner eigenwilligen, von der geselligen Welt abgewandten Art: mitten im Winter ließ sich das Paar auf Helgoland

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Abb. 25. Kassette des Siemensringes, der Auer 1920 verliehen wurde.

nach englischem Recht trauen, nur von den beiden Trauzeugen begleitet. Auers Gemahlin ist ihrem Manne eine treue Gefährtin geworden, die ihr Leben ganz auf das arbeitsreiche Dasein des Gatten einstellte. Seiner Ehe entstammen drei Söhne und eine Tochter.

Sosehr Auer mitten im Leben stand, war er doch im Grund ein einsamer Mensch. Still und in sich gekehrt, emsig arbeitend, hat ihn sein Studienkollege Hans Heger von Heidelberg her in Erinnerung. Dieser Zug hat sich in Auers Altersjahren durch seine Schwerhörigkeit noch verstärkt. Auch im Kreise seiner Familie war Auer wenig mitteilsam. Er mußte schon in ganz besonders guter Laune sein, um einmal Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Er sprach bei Tisch wenig; wenn er aber sprach, so galt als ungeschriebenes Gesetz, daß alle Anwesenden schwiegen und zuhörten. Sprach jemand weiter, dann brach Auer sofort seine Rede ab. In Wien bestand seine Erholung von der Tagesarbeit in einem zweistündigen einsamen Spaziergang vor dem Abendessen. Entspannung und Ruhe vom Treiben der lauten Welt aber suchte er auf seinem Besitz in Kärnten. Er hatte