70 Dreizehnter Abschnitt.
diesen Besitz im Jahre 1894 von der berühmten Schauspielerin Marie Geistinger erworben, die sich dort nächst dem uralten Schloß Rastenfeld eine Villa gebaut hatte. Hier erbaute Auer im Jahre 1899 sein Schloß Welsbach, das er mit einem großen Laboratorium ausstattete, das dann während seiner letzten Lebensjahre zur eigentlichen Stätte seines wissenschaftlichen Wirkens wurde.
Die Art, wie Auer auf Schloß Welsbach seine freien Stunden verbrachte, zeigt so recht, in welch inniger Verbundenheit dieser Naturforscher zur Natur stand, mit
welcher Liebe der Anorganiker an Tier und Pflanze hing. Auer liebte Hunde und war ein begeisterter Jäger. Als ihm dann seine zunehmende Schwerhörigkeit die Ausübung des Waidwerks unmöglich machte, begnügte er sich mit dem Fischfang. Mit unendlicher Liebe und Geduld pflegte er die mühsam akklimatisierten Bäume seines Parks und zog Edelobst und Trauben. Aber trotz dem w r elt- abgewandten Leben, das Auer in seinen späteren Jahren führte, blieb er doch stets voll Interesse für die Allgemeinheit. Er wurde zum Wohltäter seiner Gemeinde und des Landes Kärnten und w r ar vor allem um die heranwachsende Jugend besorgt, deren Schicksal ihm besonders in den Nachkriegsjahren am Herzen lag. Dem Bürgermeister von Klagen- furt sagte er einmal, daß es die Erwachsenen schließlich ertragen könnten, wenn es ihnen einmal schlecht gehe, für die Kinder aber müsse unter allen Umständen gesorgt werden. So organisierte er damals eine großzügige Milchbeschaffungsaktion für die Stadt Klagenfurt und führte sie trotz dem Widerstand der Landbevölkerung energisch durch. Es ist kennzeichnend für Auers Charakter, daß er bei der Ausübung seiner Wohltätigkeit, wenn möglich, ungenannt bleiben wollte. Als er während des Kriegs einmal eine ansehnliche Summe für Eürsorgezwecke spendete und man ihm mitteilte, daß der darauf bezügliche Akt durch die Kabinettskanzlei des Kaisers gehen müsse, stellte er sofort die Bedingung, daß sein Name nicht genannt und als Spender nur ,,ein Kärntner“ angegeben w'erden dürfe.
Kaiser Franz Joseph zeigte bei jeder Gelegenheit, daß er die überragende Bedeutung Auers von Welsbach zu würdigen wisse. Der sonst sehr zurückhaltende und auf Etikette bedachte Monarch ging bei Audienzen, was gar nicht seiner sonstigen Gepflogenheit entsprach, Auer stets entgegen und reichte ihm die Hand.
Auer von Welsbach, dem großen Forscher, Erfinder und Industriellen wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Im Jahre 1901 erhob ihn der Kaiser in den erblichen Freiherrnstand. Die Universitäten Graz und Freiburg, die Technischen Hochschulen zu Wien, Graz und Karlsruhe verliehen ihm ihre Ehrendoktorate, die
Abb. 26. Plakette Auers von Welsbach, die anläßlich seines 70. Geburtstages von Prof. L. Hujer angefertigt wurde.